„Das ist doch normal“ – Wann Periodenschmerzen eigentlich Warnsignale sind
„Stell dich nicht so an, das haben alle.“ Dieser Satz ist wohl einer der verletzendsten, die Frauen mit starken Regelschmerzen hören müssen. Er wird von Freundinnen, Partnern, manchmal sogar von Ärzten gesagt. Oftmals hören wir schon als Mädchen, dass die Periode eben schmerzhaft ist. Wir stellen uns darauf ein, erwarten es schon gar nicht anders. Dann bekommen manche von uns extreme, nicht aushaltbare Schmerzen. Die Folge? Wir zweifeln an uns selbst. Andere schaffen das doch auch. Wir schlucken die nächste Schmerztablette, legen uns mit der Wärmflasche ins Bett und funktionieren weiter.
Doch die Wahrheit ist: Starke Periodenschmerzen sind kein normales Muss. Ein leichtes Unwohlsein oder ein ziehendes Gefühl im Unterbauch am ersten oder zweiten Tag der Blutung kann im Rahmen des Normalen liegen. Aber wenn deine Periode dich jeden Monat ins Bett zwingt, dein Leben lahmlegt oder von Übelkeit begleitet wird, dann ist das kein „normales Wehwehchen“. Es ist ein Hilferuf deines Körpers.
In diesem Artikel erfährst du, woran du erkennst, dass hinter deinen Symptomen mehr stecken könnte als nur eine starke Blutung – und warum du diese Signale nicht länger ignorieren solltest.
Ganz wichtig ist auch, dass du so lange den Arzt/ die Ärztin wechselst, bis du ernst genommen wirst. Du bildest dir deine Schmerzen und andere Symptome nicht einfach nur ein. Auch Symptome, die über die Periode hinausgehen, wie anhaltende Erschöpfung, sind Grund genug genauer hinzusehen.

Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung und dient allein der Information und Unterhaltung. Wenn du den Verdacht auf eine Krankheit hast, gehe bitte zu entsprechendem Fachpersonal.
Extreme Schmerzen: Wenn die Skala nach oben ausschlägt
Der wichtigste Indikator ist die Intensität. Normale Regelschmerzen sind unangenehm, aber meist mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Ibuprofen gut in den Griff zu bekommen. Sie ermöglichen es dir in der Regel, deinen Alltag, vielleicht mit etwas mehr Pausen, zu bewältigen. Wenn du diese Schmerzmittel aber regelmäßig brauchst, weil die Schmerzen immer wieder so stark auftreten, dann ist das nicht normal. Eigentlich solltest du keine Schmerzmittel brauchen.
Warnsignal: Wenn deine Schmerzen so extrem sind, dass sie sich anfühlen wie ein Messerstich, ein brennendes Feuer oder ein krampfartiges Zerren, das sich durch den ganzen Unterleib zieht, ist das nicht normal.
- Helfen normale Schmerzmittel nicht mehr oder nur für eine halbe Stunde?
- Musst du dich krümmen, um den Schmerz auszuhalten?
- Strahlen die Schmerzen aus?
- Passieren Ohnmachtsanfälle oder Kreislaufzusammenbrüche?
Solche extremen Schmerzen deuten nicht selten auf einen entzündlichen Prozess hin, bei dem Gewebe wächst, wo es nicht hingehört (wie bei Endometriose), oder auf andere gynäkologische Erkrankungen wie Myome oder Adenomyose. Schmerz ist immer ein Signal. Ignoriere es nicht!
Übelkeit und Erbrechen: Wenn der Magen revoltiert
Viele Frauen kennen ein leicht flaues Gefühl im Magen während der Periode. Auch das Essverhalten kann sich ändern (Gelüste) und damit natürlich die Verdauung beeinflussen.
Warnsignal: Wenn deine Periode regelmäßig mit starker Übelkeit bis hin zum Erbrechen einhergeht, ist das ein deutliches Zeichen.
Wenn du jeden Monat einen Tag im Bett verbringst, weil dir vor Schmerzen übel ist und du nichts bei dir behalten kannst, ist das kein „normaler Teil des Frauseins“. Es ist ein Zeichen massiver körperlicher Belastung. Oft wird dies fälschlicherweise als „Magen-Darm-Grippe zur falschen Zeit“ abgetan, tritt aber zyklisch immer zum gleichen Zeitpunkt auf.
Kopfschmerzen und Migräne: Mehr als nur ein spannender Kopf
Hormonschwankungen können Kopfschmerzen auslösen. Der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor der Blutung ist ein bekannter Trigger für sogenannte Menstruationsmigräne.
Warnsignal: Wenn diese Kopfschmerzen jedoch so stark sind, dass du lichtempfindlich wirst, unter Sehstörungen leidest oder dich tagelang zurückziehen musst, geht das über das normale Maß hinaus.
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben. Wenn du auch unter anderen Symptomen leidest, können sie sich auch gegenseitig bedingen. Der Körper ist zum Beispiel durch die chronische Schmerzbelastung und die hormonelle Achterbahnfahrt so gestresst, dass er mit Migräneattacken reagiert. Wenn du also nicht „nur Kopfweh“ hast, sondern eine vollwertige Migräne-Attacke jeden Monat erlebst, sollte das auch gynäkologisch abgeklärt werden.
Druck im Becken und Probleme auf der Toilette
Ein leichtes Ziehen im Becken ist bekannt. Aber ein ständiger, dumpfer Druck im Becken, der sich anfühlt, als würden deine Organe „nach außen drängen“, ist ein spezifisches Symptom, das oft übersehen wird.
Warnsignal: Ein schmerzhafter Druck im Becken, vielleicht mit vermehrtem Drang aufs Klo zu gehen und/oder Probleme auf der Toilette.
Der Druck entsteht manchmal durch vergrößerte Organe oder durch Verwachsungen und Zysten (Endometriome), die im Becken Platz wegnehmen und auch auf die Blase oder den Darm drücken können. Wenn du das Gefühl hast, ständig auf die Toilette zu müssen, obwohl die Blase leer sein sollte, oder wenn der Stuhlgang schmerzhaft und mühsam wird, weil etwas im Weg drückt, dann ist das Problem oft greifbar. Dieser Druck ist selten „nur psychisch“ oder „normal“. Er ist oft das Ergebnis von Raumforderungen im Inneren.
Rückenschmerzen: Wenn die Wirbelsäule mitleidet
Rückenschmerzen, besonders im unteren Rücken, sind während der Periode häufig, da die Schmerzsignale von der Gebärmutter in den unteren Rücken ausstrahlen können.
Warnsignal: Wenn die Rückenschmerzen jedoch so heftig sind, dass du dich kaum aufrichten kannst, du Schmerzmittel brauchst, sie bis in das Gesäß oder die Beine ausstrahlen und auch außerhalb der Blutung (z. B. beim Eisprung oder beim Sex) auftreten, ist Vorsicht geboten.
Besonders wenn Endometriose-Herde im Bereich des Kreuzbeins, oder sogar am Zwerchfell sitzen, kann der Schmerz in den Rücken projiziert werden. Ein Schmerz in der Schulter kann tatsächlich ein Hinweis auf Endometriose sein (Studie: PMID: 10474606). Oft werden diese Frauen jahrelang zum Orthopäden geschickt, erhalten Massagen und trotzdem bleibt das Problem an sich erhalten. Wenn deine Rückenschmerzen zyklisch auftreten und mit deiner Periode korrelieren, liegt die Ursache wahrscheinlich im Bereich Gynäkologie, nicht Orthopädie.
Hör auf, dich zu entschuldigen
Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Punkte wiedererkennst – extreme Schmerzen, Übelkeit, migräneartige Kopfschmerzen, starker Beckendruck oder Rückenschmerzen – dann: Hör auf, dich zu entschuldigen.
Du bildest dir das nicht ein. Du bist nicht „wehleidig“. Dein Körper sendet dir klare Signale, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. „Normal“ ist, dass du deine Periode bemerkst, aber dass sie dich nicht aus dem Leben wirft. Alles, was darüber hinausgeht, ist behandlungsbedürftig.
Der erste Schritt zur Besserung ist die Erkenntnis, dass diese Symptome nicht hingenommen werden müssen. Der zweite Schritt ist das Gespräch mit einer Fachperson, die dich ernst nimmt. Und manchmal hilft es ungemein, erst einmal zu verstehen, welche unerwarteten Symptome noch alles mit dem Thema zusammenhängen können, um das eigene Puzzle zu vervollständigen.
Ist das Endometriose? 3 unerwartete Symptome
Du fragst dich, ob deine Symptome auf Endometriose hindeuten könnten, besonders wenn sie auf den ersten Blick nichts mit dem Unterleib zu tun haben? Dann höre unbedingt in diese Podcastfolge rein!

